Heute ist ein
sonniger Herbsttag, ideal um Ihnen ein romantisches Stück des "wilden
Westens" von Madeira zu zeigen. Besonders am Nachmittag, wenn die Sonne
in die steilen Klippenhänge fällt und die Farben ihr volles Spiel
entfalten können, ist diese Wanderung ein unvergessliches Erlebnis.
Wir überqueren die Bundesstrasse EN101 bei der kleinen Kapelle in
Lombadinha (WP1)(0h00), wo wir auch unseren Wagen geparkt haben und
wandern einen ausgewaschenen Erdweg bergab. Nach 0h06 kommen wir an einem
markanten Mauerrest (WP2) vorbei, der wohl einmal Teil einer Levada
war. Dann kommt man auf eine freiere Fläche und sieht rechts entfernt
den Miradouro (Aussichtspunkt) von Ponta do Pargo am Klippenrand auftauchen.
Nach cirka 0h10 muss man aufpassen um nicht den unscheinbaren
Wiesenweg (WP 3), welcher von diesem Erdweg im spitzen Winkel
nach links abzweigt zu übersehen. Wir gehen diesen Wiesenweg zwischen
einer Steinmauer und einem Weidezaum entlang und sehen nun zum ersten Mal
in den unheimlich steilen Abbruch durch welchen der Steig uns führen
wird, hinein. Man kann sich fast nicht vorstellen, dass ein Weg bis ans Meer
hinunter in diesen Klippen Platz findet, aber lassen Sie sich davon nicht
abschrecken, denn nach dem Weidezaun beginnt ein alter, teilweise sogar gepflasterter
Steig, der uns in zick-zack Windungen durch den Hang tiefer führt und
unproblematisch zu gehen ist. Wir kommen nach 0h15 an einer
kleinen gefassten Quelle (WP4) vorbei und können hier unsere
Feldflaschen füllen. In den Felsen wachsen Feigenkakteen, Natternkopf,
Euphorbien und Äonium und der Duft erinnert uns an Wanderungen im dalmatinschen
Archipel. Nach etwa 0h41 wird der Steig schlechter und man muss
sich vorsichtig hinter einem Felsblock durch eine kurze Rinne (WP5)
hinuntertasten. Dann geht es am engen Pfad durch einen Schilfgürtel hindurch
der zuerst entlang einer Felswand führt. Hier ist der Steig durch Wasser
und Steinschlag teilweise beschädigt ... also Vorsicht. Gleich danach
werden wir aber für unsere Mühe entschädigt, denn nun wird
der Weg wieder besser und führt entlang eines engen Hangrückens
talwärts und zum ersten Mal sehen wir in die wilden Abbrüche der
Küste südlich von uns. Ein gewaltiger Anblick. Über uns kreist
ein Bussardpärchen und zwei Falken üben im Hangwind Kunstflug. Der
Steig windet sich nun durch Fels und Tuffstein dem Meer zu und nach 0h58
kommen wir bei einer aus dem Tuffstein herausgehauenen Höhle
vorbei die Schatten und Wetterschutz bietet. An einem wunderbar duftenden
Feigenbaum vorbei erreichen wir nach 1h02 den Schotter-Strand
und freuen uns auf ein Bad im Atlantik. (Laut Bericht eines Wanderers ist
der Weg zum Strand abgebrochen aber mit Vorsicht begehbar) Badeschuhe
erleichtern das "in See stechen" ungemein. Bei stärkerem Wellengang
ist das Baden allerdings gefährlich und nicht empfehlenswert. Wer frische
Lapas (Napfschnecken) "jagen" will findet hier ein ideales Betätigungfeld.
Wir verbringen einen wunderschönen Sonnentag am Strand und steigen am
späten Nachmittag den gleichen Weg wieder hinauf. Wenn man zügig
geht schafft man den Aufstieg in 1h15. Die Steigung des Pfades ist über
den grössten Teil sehr angenehm und nicht ermüdend. Wenn Sie nun
mit einem Bärenhunger wieder bei Ihrem Auto angelangt sind empfehlen
wir die paar Kilometer zum Leuchtturm (Farol) nach Ponta do Pargo zu fahren.
Etwas oberhalb bei einem Aussichtspunkt (Miradouro) - hier können wir
nochmals die Strecke überblicken, welche wir heute gewandert sind - gibt
es ein nettes kleines Gasthaus "O Fio" in dem man gut essen kann.
Sonstige
Tips:
* Teleskop-Stöcke empfehlenswert
* Bei
stärkerem Seegang ist das ins und aus dem Meer gelangen gefährlich.
Nehmen Sie auf jeden Fall auch Badeschuhe mit (Schotter- und Steinstrand).
* Lapas bereitet man zu, indem man Butter und zerdrückten Knoblauch mischt,
die Napfschnecken mit der Schale nach unten in eine Pfanne legt, in jede Lapa
ein wenig von diesem Butterabtrieb aufbringt und dann alles erhitzt, bis die
Lapas in der geschmolzenen Butter kochen. Nach 10 Minuten vom Feuer nehmen,
eine frische Zitronenhälfte darüber auspressen und mit Weissbrot
und einem trockenen Weisswein (Planalto Reserva) servieren. Man isst Lapas
gleich mit den Fingern und schlürft Sie aus der Schale - Wir wünschen
guten Appetit !
* Es lohnt sich ein Besuch des Leuchtturms (Farol) von Ponta do Pargo. Die
Laterne ist ein Gustostück alter Ingenieurskunst. Der Leuchtturmwärter
ist sehr freundlich und führt einem auf Ersuchen durch den Turm. Ein
Trinkgeld wird gerne angenommen.
Sicherheits-Hinweise:
* Trekkingschuhe mit gutem Profil sind für diese Wanderung wichtig. Gute
Kondition und Trittsicherheit sind erforderlich.
* Ein Paar Teleskop-Stöcke erleichtern den Auf- und Abstieg und tragen
zur Sicherheit wesentlich bei.
* Eine gefasste Quelle ist für die Trinkwasserversorgung vorhanden;
* Nach stärkeren Regenfällen ist die Wanderung wegen Steinschlag
am Fusse der Felwand gefährlich und nicht empfehlenswert.
* Auch raten wir zur Erhöhung der Sicherheit im Falle einer Notsituation
die Mitnahme eines Handy's mit gespeicherter Notrufnummer (TelNr.: 112
ohne Vorwahl)
(Der Empfang ist bei dieser Wanderung nicht überall gegeben).
* Hinterlassen Sie auch bei ihrer Hotel-Rezeption immer die geplante Wanderstrecke.
